Hier und jetzt genießen

Endloses Leben beginnt nicht irgendwann. Es beginnt hier und jetzt. Jesus selbst sichert uns das zu. Jesus ist der Herr über Leben und Tod. Für ihn gibt es keinen Tod. Nur Leben. Denn er hat gezeigt, dass er stark genug ist, sich selbst und andere wieder aus dem Tod ins Leben zurückzuholen. An anderer Stelle macht Jesus die Absicht ganz klar: Er möchte, dass wir Leben in Fülle haben. Das ist kein Schmalspur-Leben, kein Leben in Mangel. Er möchte Leben in Fülle und Überfluss. Wie können wir es hier und jetzt genießen?

Der Heilige Geist – Der Geist für Genießer

Geh mal in dich. Wann hast du das letzte Mal etwas richtig genossen? Was bedeutet überhaupt “genießen”? Fragen wir den Duden, lautet seine Erklärung: “Freude, Annehmlichkeit, die jemand beim Genießen von etwas empfindet.” Es hat also mit Freude zu tun. Damit, dass ich im hier und jetzt bin. Wenn ich etwas genieße, wünsche ich mich nicht in die Vergangenheit oder die Zukunft. Ich bin zufrieden im Hier und Jetzt. Ich habe Frieden. Ich bin langsam darin, mich über etwas zu ereifern. Ich sehe das Gute im Anderen und in der Welt. Ich freue mich an dem, was andere mir geben und was ich anderen geben kann.

Wenn ich genieße, schlage ich nicht über die Stränge. Nein, ich kann Maß halten. Ich bin langsam zum Zorn und freue mich an dem, wer der andere ist. Ich sehe mich selbst und den anderen mit den Augen der Liebe.

Kommt dir diese Aufzählung bekannt vor? Du findest sie in der Bibel. An der Stelle, an der wir sehr viel erfahren über die Eigenschaften des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist Gottes “Energie”. Die “Energie”, die er so gerne mit uns teilt, damit wir in ihr leben können. Bei ihm gibt es all das, wonach wir uns sehnen im Überfluss: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme, Selbstbeherrschung. All die Eigenschaften, die wir uns in uns und anderen wünschen. Die dafür sorgen, dass wir unser Leben hier und jetzt genießen können. Ich bin davon überzeugt: Der Heilige Geist ist der Geist des Genusses.

Wenn ich etwas genieße, sorge ich mich nicht. Ich grüble nicht, ich habe keine Angst um mich oder andere. Ich bin nicht wütend über den anderen, “was er mir da schon wieder serviert”. Ich hege keine Feindseligkeiten gegen den anderen, ich breche keinen Streit vom Zaun. Wenn ich mein Leben genieße, brauche ich nicht neidisch sein auf das Leben der anderen.

Wenn ich genieße, bin ich entspannt. Lasse den Druck und die Anforderungen des Alltags los. Und das besondere ist: Auch Arbeit kann ich genießen. Ja, ich soll sie sogar genießen. Dann, wenn sie meinen Fähigkeiten entspricht, mich aber auch ein wenig (nicht zu viel) herausfordert. Der Zustand, den wir dann erreichen, ist der viel besprochene “Flow”. Der Zustand, wenn die Zeit wie im Flug vergeht und wir kaum merken, dass wir arbeiten.

Und weißt du was? Gott genießt auch: Uns. Ja, genau, richtig gehört. Uns. Er wollte uns auf diesem Planeten, damit er die Beziehung zu uns genießen kann. Nur wir, wir wollen nicht so. Wir zweifeln am guten Willen Gottes für unser Leben.

Gott wünscht sich Genuss für unser Leben. Brauchst du Beispiele? Der Prediger im Alten Testament ist ein ganzes Buch, das sich dem Genuss widmet. Ein Buch, in dem ein Mensch versucht, das Leben zu ergründen. Das Für und Wider auszuloten. Das Warum in allen Fragen zu finden. Am Ende findet er die Antwort im Genuss: Hey, unter der Sonne gibt es nichts Neues. Dieses Leben ist dafür gemacht, dass du es genießt! Denk nicht zu viel über Dinge nach, die du nicht ändern kannst. Sorg für dein Glück, aber finde Zufriedenheit auch darin, dass du dein Glück nicht immer finden kannst: Sei zufrieden damit, dass du nicht alles, was im Leben geschieht, ergründen kannst.

Eines Tages macht Gott unseren Genuss vollkommen: Dann, wenn er Gerechtigkeit herstellt zwischen allen Menschen – dann wenn er denjenigen ihr Leben zurück gibt, die es in dieser Welt kaum genießen konnten.

Wie können wir es hier und jetzt genießen?

Wie können wir unser Leben genießen? Was hilft uns dabei? Ich mach dir mal ein paar Vorschläge:

Natur genießen

Spulen wir ein paar Jahre zurück in meinem Leben: Ich bin vier Wochen lang mit dem Rucksack unterwegs in den peruanischen und bolivianischen Anden. Dort, in einer der höchsten Regionen der Erde auf bis zu 5000m spüre ich, wie die Luft dünn wird. Einmal um den Jeep laufen und schon fange ich an zu japsen. Aber was für eine Welt! In den Weiten des Hochplateaus wird mir bewusst, wie mickrig mein Bild von Gott ist. Die Berge zeigen mir, wie unvorstellbar groß Gott ist. Und noch viel größer!!! Die unglaubliche Natur in dieser Welt hilft so oft, ins Staunen zu kommen über Gottes Schöpfung. Aber nein, du musst dafür nicht erst nach Südamerika reisen. Schau dich um vor deiner Haustür. Entdecke Blickwinkel, Orte, die du noch nicht kennst. Ich fühle mich wohl, wenn ich auf den nächsten Berg (oder Hügel 🙂 ) spaziere und dort den Blick in die Weite lenke. Es schenkt wohltuende neue Perspektive.

Feiern genießen

Leider leider genießt das Feiern in manchen christlichen Kreisen keinen guten Ruf. Aber schau mal in die Bibel: Wie viele Feste gab es im Volk Israel, die Gott ihnen aufgetragen hatte?

Feiern ist Gott so wichtig, dass er gleich in jeder Woche einen Tag dafür ausgesucht hat. Für die Juden war/ist das der Sabbath. Christen haben sich dafür den Sonntag ausgesucht. Den Tag der Auferstehung. Jede Woche einmal feiern wir, dass der Tod nicht das letzte Wort haben wird. Der Sonntag ist der Tag des endlosen, perfekten Lebens, das auf uns wartet. Denk an Gott und freu dich daran!

Mehrfach im Jahr feierte das Volk Israel Erntefeste, die mit der Erinnerung an die Taten Gottes verbunden wurden. Diese Feste spiegeln sich auch in unserem christlichen Kalender: Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Erntedank und ja, auch Trauertage. Alles Feste, die dazu dienen, den Blick auf Gott zu lenken und daran zu denken, dass ER es ist, der uns versorgt. Wenn wir feiern, lassen wir uns auf den Gedanken ein, dass nicht alles an unserer Arbeit hängt. Wer feiert, kann loslassen. Wer loslässt, kann genießen.

Du bist gesegnet, wenn du viel Grund zu feiern hast. Wenn du deinen Geburtstag und die Geburtstage deiner Familie jedes Jahr neu feiern kannst. Wenn du die Einschulung deiner Kinder, Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und ja, auch Beerdigungen feiern kannst. Eine Beerdigung zu feiern, zeigt, dass ein Mensch in seinem Leben geliebt war – dass es Menschen gibt, die ihn vermissen werden. Leider ist das nicht selbstverständlich. Das Jahr gibt viel her zu feiern – genieße es!

Genießen – geht auch allein!

In der Zeit, in der dieser Text entsteht, bin ich selbst manchmal ratlos. Wie soll ich mein Leben feiern und genießen, wenn ich außer mir nur eine Person treffen darf? Und das auch nur außerhalb meiner Wohnung? Nur zu einem Spaziergang? Wenn ich in kein Restaurant, kein Thermalbad, kein Theater, kein Konzert gehen darf? So hart diese Zeit war und ist, ich habe eines gelernt: Genießen kann ich auch allein!

Ich kann meine Arbeit genießen, wenn sie mir entspricht. Ich kann mich mit allen Sinnen an dem freuen, was mir das Leben schenkt. An all dem Essen, das ich Gott sei dank, jeden Tag genießen darf. An meinem Sofa, das mir hilft, mich zu entspannen, an einem guten Buch, an Musik, die mich aufbaut. Und auch, diesen Text zu schreiben. Ja, das genieße ich.

Aber ja, auch das alleine genießen hat seine Grenzen. Je nach Persönlichkeit fehlt die Gemeinschaft, fehlt die Beziehung, fehlt das gemeinsame Feiern – früher oder später. Denn Gott hat uns als Gemeinschaftswesen geschaffen. Weil er möchte, dass wir miteinander feiern, miteinander genießen. Weil er sich selbst mit uns genießen möchte.

Körper genießen

Ich bin überzeugt – der eigene Körper ist zum Genießen da. Zum Genießen von Anmut, Stolz und Schönheit. Es liegt Genuss im Wechsel von Anspannung und Entspannung.

Dann, wenn ich die theologische Arbeit theologische Arbeit sein lasse und mir eine halbe Stunde Pilates gönne. Es tut so gut, zu spüren, wie sich der Körper dehnt und entspannt und gleichzeitig kräftigt. Wenn ich wieder das Bewusstsein habe für das, wer ICH bin, für das, was mein Körper ist und kann – und das macht mich dankbar! Mit Pilates habe ich keine Kopf- oder Rückenschmerzen und kann den ganzen Tag aushalten, ohne verkrampften Schreibtisch-Nacken und verspannte Schultern. Ich fühle meinen Körper mehr und intensiver als zuvor – und das schenkt Selbst-Bewusstsein.

Selbst-Bewusstsein, das sich feiert im Tanz, in der Bewegung, in der Kunst mit dem Körper. Im Tanz liegt die Krönung des Genusses an Freiheit – an innerer und äußerer Freiheit. Kannst du deinen Körper genießen? Wenn dir das schwer fällt, such dir jemanden, der dir dabei hilft. Das kann zum Beispiel ein Personal Trainer sein oder eine Person in deinem Umfeld, von der du spürst, dass sie ihren Körper mag.

Was ist deine Art, deinen Körper zu genießen? Finde es heraus!

Musik genießen

Es ist nun schon viele Jahre her, da hat die Geschichte von Paul Potts Millionen bewegt. In einer britischen Talent-Show tritt er vor das Publikum. Unsicher, unscheinbar, unterschätzt. Dann singt er Nessun Dorma. Und rührt mit seiner Stimme Menschen zu Tränen.

Lange hatte er gekämpft um seinen großen Traum vom Singen. Hat viel Geld ausgegeben für Gesangsunterricht, sich durch Krankheit gekämpft und viele Stunden in niedrig bezahlten Jobs geackert. Aber der Traum vom professionellen Singen blieb ihm verwehrt. Dann wirft er die Münze – und bewirbt sich bei einer Talent-Show. Es verändert sein Leben.

Bis heute begeistert er viele Millionen Menschen mit seinen Konzerten und Aufnahmen. Welch ein Privileg, seine Lebenszeit mit Musik verbringen zu dürfen!

Für mich ist es mein Klavier, mit dem ich genießen kann. Mich und meine Gefühle ausdrücken. Es ist ein Geschenk, um Trauer in Freude und Wut in Kraft zu verwandeln.

Egal ob du Musik machst oder hörst – es ist ein Vorgeschmack auf das, was dich bei Gott erwartet. Die Musik des Lebens, die nie aufhört.

Stärke genießen

Wenn ich mir Jesus vorstelle, erscheint er vor meinem inneren Auge oft als Löwe. So, wie er im biblischen Buch der Offenbarung vorgestellt wird. Der Löwe, der Stärke ausstrahlt, der Respekt einflößt – und damit auf meiner Seite steht.

Diese Welt leidet daran, dass Menschen ihre Stärke gegen andere verwenden. Anstatt, dass sie ihre Stärke FÜR andere nutzen. Jesus wird niemals seine Stärke gegen dich verwenden. NIEMALS. Er ist die Stärke in Person und weiß, gegen wen er sie verwendet. Gegen all das Böse in der Welt, das Menschen sich antun. Aber niemals gegen den, der in ihm Trost und Stärke sucht. Dann gibt er sie gerne ab.

Ich erlebe meine körperlichen Grenzen jeden Tag. Wenn ich sie übergehe, spürt es meine Seele. Sie ist dann gereizt und enttäuscht vom Leben. Ich brauche es, dass jemand mir etwas von seiner Stärke leiht.

Der Heilige Geist ist dein persönlicher „Energiespeicher“, der dir so viel mehr ermöglicht, als du jemals zu träumen wagtest. Sei nicht schüchtern und zapf ihn großzügig an!

Bitte Gott und Menschen um Hilfe, dort, wo du sie brauchst!

Die Liebe verleiht Flügel.

Inspiration genießen

Neugier, Offenheit, Freude am Entdecken – es ist erwiesen, dass es das menschliche Gehirn positiv anregt und glücklich macht, wenn es Neues lernt und die Welt entdeckt. Gerade habe ich so richtig gestaunt, als ich mich mit dem ersten Bild vom schwarzen Loch beschäftigt habe – und der Geschichte dahinter. Was Menschen auf die Beine stellen können, ist einfach unglaublich! Lass dich von deinem Entdeckergeist treiben und mach dich auf die Suche nach Neuem.

Neue Schätze der Welt entdecken kannst du auf ganz verschiedene Weise: Im Gespräch mit Menschen, mit einem Besuch in der Bibliothek, in der Oper, im Planetarium. Das Weltall erzählt mir von der Größe Gottes und den Fähigkeiten und Grenzen des Menschen. Such dir neue Themen, mit denen du dich befassen kannst – ich hoffe, ich gebe dir hier ein wenig Inspiration.

Das endlose Leben – vollendeter Genuss

Das sind nur ein paar Beispiele, wie du hier und jetzt genießen kannst. Die Welt bietet sooooo viele Möglichkeiten und ich wünsche dir alle Freude der Welt daran, sie zu entdecken!

Jesus hat uns die Last der Endlichkeit abgenommen. Der Tod ist nichts weiter als ein Übergang in eine andere Welt. Eine andere Welt, die er eines Tages wieder mit dieser Welt vereinen wird. Der Moment des Todes ist der Moment, in dem wir all das Schmerzliche, was diese Welt ausmacht, hinter uns lassen. All den Kampf, all den Krampf, jede Sorge und jede Atemnot. Dann bleibt nur noch Leben übrig. Leben im vollkommenen Genuss.

Ach ja, und dann gibt es noch jeden Tag mindestens einen Grund: Feierabend! – Lässt du den Feierabend Feierabend sein? Feierabend ist Zeit zum Genießen.

Auch ich sollte Feierabend machen! 🙂

Im Genuss liegt Freiheit. Geh und genieße dein Leben!


Inspiriert von

  • Galater 5,22-23
  • Petrus 1,3-9
  • Johannes 11, 25 und 16,20-22
  • 2. Mose 23,14
  • Jesaja 55,12-13
  • Prediger 2-3
  • Prediger 5,18; Prediger 8,15; Prediger 9,7-10
  • Psalm 96,11-13
  • Offenbarung 5,5